Echolotgeber ohne Bohren montieren – warum ich heute fast nur noch klebe
Ich habe im Laufe der Jahre sehr viele Echolotgeber am Heckspiegel von eigenen Booten und Kundenbooten montiert. Früher gehörte es für mich ganz selbstverständlich dazu, die Geberhalterung am Heck zu verschrauben – und damit auch Löcher in den Rumpf zu bohren.
Heute mache ich das bei Heckgebern fast nur noch, wenn es konstruktiv nicht anders möglich ist.
Der Grund dafür sind nicht irgendwelche theoretischen Überlegungen, sondern meine eigenen Erfahrungen aus vielen Jahren Gebermontage.
Denn bei der Demontage älterer Geberhalterungen habe ich immer wieder Schäden am Rumpf gefunden, die von früheren Bohrungen unterhalb der Wasserlinie verursacht beziehungsweise begünstigt wurden.
Und irgendwann habe ich mir gedacht:
Warum soll ich überhaupt noch ein Loch in einen Rumpf bohren, wenn ich die Geberhalterung auch auf eine geklebte Montageplatte setzen kann?
Was man von außen nicht sieht
Eine Bohrung in einem Bootsrumpf sieht zunächst einmal völlig unspektakulär aus.
Loch bohren, Schraube durch, Dichtmasse dazu, Halterung anschrauben – fertig.
Zumindest sollte es so sein.
Das Problem zeigt sich häufig erst Jahre später, wenn eine Geberhalterung wieder demontiert wird.
Denn gerade im Unterwasserbereich muss eine solche Bohrung dauerhaft gegen eindringende Feuchtigkeit geschützt sein. Das ist bei einem Boot eine anspruchsvolle Aufgabe.
Ein Rumpf ist schließlich nicht das ganze Jahr über denselben Bedingungen ausgesetzt.
Sommerhitze, Winterlagerung, Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit und die mechanischen Belastungen während der Fahrt wirken über Jahre auf Material und Befestigungen ein.
Wenn an einer solchen Stelle irgendwann Feuchtigkeit in den Rumpf gelangt, kann der Schaden zunächst völlig unsichtbar bleiben.
Genau solche Fälle habe ich mehrfach erlebt.
Ein Holzrumpf nach gerade einmal drei Jahren
Ein Beispiel ist mir besonders in Erinnerung geblieben.
Bei einem Boot mit Holzrumpf sollte eine bereits vorhandene Geberhalterung demontiert und neu montiert werden.
Die ursprüngliche Montage war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal ungefähr drei Jahre alt.
Man könnte also durchaus erwarten, dass eine ordnungsgemäß ausgeführte Befestigung nach dieser Zeit noch völlig problemlos aussieht.
Beim Entfernen der alten Halterung zeigte sich allerdings ein anderes Bild:
Das Holz im Bereich der Bohrung war deutlich aufgeschwemmt.
Nach meiner Einschätzung war die ursprüngliche Abdichtung der Bohrung nicht ausreichend. Entweder war eine dafür ungeeignete Dichtungsmasse verwendet worden oder es war schlicht zu wenig Dichtmaterial vorhanden.
Das Interessante daran war für mich vor allem die relativ kurze Zeit.
Drei Jahre sind bei einem Boot nicht viel.
Und trotzdem hatte Feuchtigkeit bereits ihren Weg in das Rumpfmaterial gefunden.
Das ist genau die Art von Erfahrung, die meine Einstellung zur Gebermontage verändert hat.
Noch deutlicher wurde es bei einem GFK-Rumpf
Bei einem anderen Boot mit GFK-Rumpf war das Schadensbild noch wesentlich größer.
Hier war nicht nur unmittelbar an einer einzelnen Bohrung etwas Material betroffen.
Stattdessen hatte sich die Feuchtigkeit über einen größeren Bereich des GFK-Rumpfes bemerkbar gemacht.
Um eine vernünftige Grundlage für die neue Montage zu schaffen, musste der Kunde zunächst einiges an beschädigtem beziehungsweise aufgeschwemmtem Material entfernen.
Das bedeutete konkret:
GFK abschleifen, den beschädigten Bereich aufarbeiten und anschließend wieder neues GFK aufbauen.
Erst danach konnte die neue Gebermontage erfolgen.
Aus einer eigentlich einfachen Sache – einer Geberhalterung am Heck – war dadurch eine deutlich aufwendigere Reparatur geworden.
Und genau solche Erlebnisse möchte ich mir möglichst ersparen.
Noch wichtiger: Ich möchte meinen Kunden nicht ohne Not eine Befestigung empfehlen, bei der überhaupt erst eine Bohrung im Unterwasserbereich erforderlich ist.
Deshalb klebe ich Heckgeber inzwischen fast nur noch
Seit einigen Jahren verwende ich deshalb bei kleineren und mittleren Heckgebern fast ausschließlich Montageplatten zum Aufkleben.
Das Prinzip ist eigentlich sehr einfach:
Statt die Geberhalterung direkt am Bootsrumpf zu verschrauben, wird zunächst eine stabile Kunststoffplatte auf den Rumpf geklebt.
Die Geberhalterung wird anschließend auf dieser Platte befestigt.
Der Rumpf selbst muss für die Befestigung der Geberhalterung nicht mehr durchbohrt werden.
Damit bleibt eine mögliche Schwachstelle, die mir in der Vergangenheit mehrfach Probleme bereitet hat, von vornherein außen vor.
Eine Montageplatte statt Bohrungen im Rumpf
Für diese Lösung haben wir bei Think Big eine 15 × 10 × 2 cm große Montageplatte aus Hart-PVC entwickelt.
Die Platte wird auf den vorbereiteten Rumpf geklebt.
Dafür sollte ein hochwertiger MS-Polymer-Kleber verwendet werden. Wir verwenden dafür Tikalflex Contact 12, einen Universal-Kleber und eine Dichtmasse für den maritimen Bereich.
Der Kleber ist für dauerelastische und vibrationshemmende Verklebungen geeignet und kann unter anderem auf GFK, Holz, Aluminium und Stahl eingesetzt werden.
Damit wird aus der Montageplatte eine stabile Basis für die eigentliche Geberhalterung.
Die Originalhalterung des Echolotgebers bleibt erhalten
Ein wichtiger Punkt bei dieser Lösung:
Wir verändern nicht die Geberhalterung des Herstellers.
Die Originalhalterung des Echolotgebers wird ganz normal verwendet.
Sie wird lediglich nicht mehr direkt am Bootsrumpf befestigt, sondern auf der geklebten Montageplatte.
Das hat auch den Vorteil, dass die Montage des eigentlichen Gebers genauso erfolgen kann, wie es der Hersteller vorgesehen hat.
Die richtige Position des Heckgebers ist entscheidend
Natürlich löst eine geklebte Montageplatte nicht alle Fragen rund um die Gebermontage.
Die richtige Position des Gebers bleibt genauso wichtig wie bei einer verschraubten Montage.
Der Geber sollte am Heck möglichst in einem ruhigen Wasserstrom sitzen.
Deshalb sollte die Montage beispielsweise nicht direkt hinter
- dem Motorschaft oder Propeller,
- Trimmklappen,
- Stufen,
- Spanten
- oder anderen Bauteilen
erfolgen, die Turbulenzen und Verwirbelungen verursachen können.
In der Regel bietet sich die Steuerbordseite, also rechts in Fahrtrichtung, an.
Auch die Montageempfehlungen des jeweiligen Echolot- und Bootsherstellers sollten immer berücksichtigt werden.
Als praktische Orientierung sollte der Geber nach der Montage mindestens etwa 20 cm unterhalb der Wasseroberfläche liegen. Etwas mehr kann bei Wellengang sinnvoll sein.
Vor dem Kleben kommt die wichtigste Arbeit
Eine geklebte Montageplatte hält natürlich nur dann zuverlässig, wenn die Klebeflächen richtig vorbereitet wurden.
Und genau hier sollte man sich Zeit nehmen.
Zuerst muss der Rumpf an der vorgesehenen Stelle gründlich gereinigt werden.
Algen, Bewuchs, Muscheln, Schmutz und andere Verunreinigungen müssen vollständig entfernt werden.
Auch vorhandenes Antifouling muss im Bereich der Montageplatte entfernt werden.
Anschließend wird die Oberfläche mit Alkohol oder Aceton gereinigt und entfettet.
Die Fläche muss danach vollständig trocken sein.
Mein kleiner Praxistipp
Ich klebe den Bereich, auf dem die Montageplatte später sitzen soll, gerne vorher mit Malerkrepp beziehungsweise geeignetem Klebeband ab.
Das verhindert, dass der überschüssige Kleber später auf dem umliegenden Rumpf verteilt wird.
Und noch ein kleiner Test aus der Praxis:
Wenn das Klebeband auf der vorbereiteten Fläche gut hält, ist das zumindest ein gutes Zeichen dafür, dass die Oberfläche ordentlich gereinigt wurde.
Auch die Montageplatte vorbereiten
Auch die Platte selbst muss sauber und fettfrei sein.
Die aufgeklebte Schutzfolie auf der Montagefläche wird entfernt. Danach wird die Fläche ebenfalls mit Alkohol oder Aceton gereinigt und entfettet.
Für eine noch bessere mechanische Verbindung kann die Klebefläche der Platte zusätzlich leicht mit Schmirgelpapier angeraut werden.
Beim Kleber nicht zu sparsam sein
Jetzt kommt die eigentliche Verklebung.
Der MS-Polymer-Kleber wird sowohl auf den vorbereiteten Bereich des Rumpfes als auch auf die Montageplatte aufgetragen.
Anschließend wird er mit einem sauberen Spachtel vollflächig verteilt.
Dabei sollte man nicht versuchen, eine möglichst dünne Kleberschicht zu erzeugen.
Der Kleber soll auch kleinere Unebenheiten ausgleichen und eine dauerelastische Verbindung zwischen Montageplatte und Rumpf herstellen.
Anschließend wird die Platte exakt positioniert und mit Druck auf den Rumpf gesetzt.
Überschüssiger Kleber, der seitlich herausquillt, kann mit einem Spachtel entfernt werden.
Jetzt braucht die Montage vor allem eines: Zeit
Das ist ein Punkt, den man bei einer geklebten Montage nicht unterschätzen sollte.
Nicht sofort den Geber anschrauben und mit dem Boot aufs Wasser fahren.
Der Kleber muss vollständig aushärten.
Tikalflex Contact 12 ist zwar luftfeuchtigkeitshärtend, trotzdem sollte die Verarbeitung möglichst bei trockenem Wetter erfolgen. Regen, sehr hohe Luftfeuchtigkeit und Minusgrade sind für die Montage nicht geeignet.
Die Montageplatte sollte mindestens 24 Stunden, besser 48 Stunden, aushärten können.
Erst danach sollte die Geberhalterung auf der Platte befestigt werden.
Und auch das Boot sollte erst nach vollständiger Aushärtung wieder zu Wasser gelassen werden.
Danach wird der Geber ganz normal montiert
Ist die Montageplatte bzw. der Kleber vollständig ausgehärtet, wird die Originalhalterung des Echolotgebers mit rostfreien Edelstahlschrauben auf der Platte befestigt.
Anschließend wird der Geber eingesetzt und ausgerichtet.
Dabei sollte die Unterseite des Gebers möglichst parallel zur Wasseroberfläche stehen.
Der Geber darf sich nicht bewegen können.
Auch das Geberkabel sollte sauber nach oben geführt und mit Kabelklemmen fixiert werden.
Wenn möglich, sollte das Kabel durch eine bereits vorhandene Öffnung ins Bootsinnere geführt werden.
Warum ich diese Lösung heute bevorzuge
Nach vielen Jahren, in denen ich Echolotgeber montiert und auch alte Geberhalterungen wieder demontiert habe, hat sich meine persönliche Vorgehensweise verändert.
Früher war das Bohren und Abdichten einer Geberhalterung für mich völlig normal.
Heute frage ich mich zuerst: Muss ich hier wirklich ein Loch in den Rumpf machen?
Wenn es sich um einen kleineren oder mittleren Heckgeber handelt und die Voraussetzungen für eine geklebte Montage gegeben sind, ist meine Antwort inzwischen meistens:
Nein.
Warum sollte ich eine zusätzliche Öffnung unterhalb der Wasserlinie schaffen, wenn sich die Geberhalterung auch auf einer stabil verklebten Montageplatte befestigen lässt?
Meine Erfahrungen mit aufgeschwemmtem Holz nach nur wenigen Jahren und mit großflächig beschädigtem GFK haben mich dabei sicherlich geprägt.
Eine einfache Idee, die dem Rumpf Bohrungen erspart
Die Montageplatte ist kein kompliziertes System.
Sie besteht aus einer stabilen Hart-PVC-Platte mit 15 × 10 × 2 cm, die mit einem geeigneten MS-Polymer-Kleber auf dem Rumpf befestigt wird.
Die Geberhalterung kommt anschließend auf die Platte.
Keine Bohrung für die Halterung unterhalb der Wasserlinie.
Für mich ist das inzwischen eine sehr überzeugende Lösung – nicht weil Bohren grundsätzlich falsch wäre, sondern weil ich aus meiner eigenen Praxis weiß, was passieren kann, wenn eine solche Verbindung über die Jahre nicht mehr hundertprozentig dicht bleibt.
Das Think Big Montageset für Echolotgeber
Aus diesem Grund bieten wir die Montageplatte bei Think Big zusammen mit dem passenden Kleber als komplettes Montageset an.
Im Set enthalten sind:
Die Lösung eignet sich besonders für kleinere und mittlere Echolotgeber, wenn eine Befestigung ohne Bohrungen im Unterwasserbereich gewünscht ist.
Zum Think Big Montageset für Echolotgeber zum Kleben
Mein Fazit nach vielen Gebermontagen
Ich habe in meinem Berufsleben wahrscheinlich mehr Echolotgeber montiert, als ich zählen kann.
Und gerade deshalb sehe ich die Montage heute etwas anders als früher.
Eine Bohrung ist schnell gemacht. Eine undichte Bohrung kann dagegen Jahre später zu einem Problem werden – und dann wird aus der Montage eines Echolotgebers plötzlich eine Rumpfreparatur.
Ob Holz oder GFK: Ich habe die Folgen solcher Schäden selbst gesehen.
Deshalb nutze ich bei kleineren und mittleren Heckgebern heute fast nur noch eine geklebte Montageplatte.
Nicht, weil man einen Echolotgeber nicht verschrauben kann.
Sondern weil man es nicht unbedingt muss.
Und wenn ich meinem eigenen Boot damit eine zusätzliche Bohrung unterhalb der Wasserlinie ersparen kann, ist für mich die Entscheidung ziemlich einfach.
Lieber kleben als bohren.



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